Rainer Blum GUTEXKlaus Quast JOCOZuletzt auf der ISH in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt, sorgt die ÖkOpor-Wandheizung von JOCO für allerlei Aufsehen in der Fachwelt. Anlass genug, die beiden dafür Hauptverantwortlichen an einen Tisch zu bringen: Rainer Blum, Leiter Anwendungstechnik bei GUTEX und Klaus Quast, JOCO-Geschäftsführer - ein fachliches Streitgespräch.

 

Was macht das Geheimnis der ÖKOpor-Wandheizung aus Ihrer Sichtaus und warum funktionieren die jeweiligen Komponenten so gutmiteinander?

 

 Zuletzt auf der ISH in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt, sorgt die ÖkOpor-Wandheizung von JOCO für allerlei Aufsehen in der Fachwelt. Anlass genug, die beiden dafür Hauptverantwortlichen an einen Tisch zu bringen: Rainer Blum, Leiter Anwendungstechnik bei GUTEX und Klaus Quast, JOCO-Geschäftsführer - ein fachliches Streitgespräch.

Was macht das Geheimnis der ÖKOpor-Wandheizung aus Ihrer Sichtaus und warum funktionieren die jeweiligen Komponenten so gutmiteinander?

 

Rainer Blum: Eine Wandheizung hat unter bauphysikalischen Aspekten den maßgebenden Vorteil, dass die innere Bauteiloberfläche eine kontinuierlich hohe Oberflächentemperatur aufweist. Höhere Oberflächentemperaturen wirken sehr robust einer Schimmelbildung entgegen, die sich ohne Energieeintrag gegenüber der Raumluft kälteren Bauteiloberfläche einstellen kann, wenn die relative Luftfeuchte der Umgebungstemperatur konstant hoch ist (Anm. d.Red.: 70% und darüber). Unmittelbar vor dem Bauteil kommt es ohne Wandheizung zu einem Temperaturabfall der Raumluft. Dadurch erhöht sich die relative Luftfeuchte und beeinflusst das Mikroklima unmittelbar vor der Oberfläche. Wir wissen alle, dass dies Schimmelbildung begünstigt, wenn andere kritische Randbedingungen hinzukommen.

Klaus Quast: Die Holzfaserdämmplatte weist eine hohe Wärmespeicherkapazität auf. Zudem leitet sie die Wärme auch über eine gewisse Breite neben der wasserführenden Heizungsleitung weiter. Dies führt dann insgesamt dazu, dass sich eine sehr gleichmäßige erhöhte Oberflächentemperatur einstellen kann. Aus der Sicht eines Systemproduzenten für Flächenheizungen, zeigt es sich uns so, dass das Interesse an der Wandheizung als Lösungsvariante an Bedeutung gewinnt. Im Sinne der Reduzierung der Wärmeverluste müsste man eine Wandheizung eigentlich eher an den Innenwänden eines Raumes platzieren, da die Installation an der Aussenwand zur Erhöhung der Wandtemperatur führt und damit  zwangsläufig zu einem höheren Wärmeverlust. Bei einer Installation  an den Innenwänden spielt das keine Rolle, da die Wärme dann den angrenzenden Räumen im Gebäude zugute kommt. Der nachteilige Effekt wäre jedoch, das sich das Ungleichgewicht der Wandtemperaturen, Innen- und Aussenwand, noch vergrößert und es dadurch zu einem Effekt kommen kann, der die Behaglichkeit im Raum deutlich negativ beeinflusst. Jeder kennt diesen Effekt von einem Lagerfeuer. Wenn die Wärme nur von einer Seite kommt, wird die Temperaturdifferenz zur  anderen Raumseite als noch größer empfunden. Das Ziel muss es daher sein, die Temperaturen der Wandflächen einander anzupassen, um so eine hohe Behaglichkeit im Raum zu erzeugen.

 

Also ideal für Sanierungen im Bestand?

KQ: Ja, absolut. Da in den seltensten Fällen eine komplette Sanierung durchgeführt wird, bietet die Kombination der Wandheizung mit Innenwand-Dämmung sozusagen einen idealen Weg an: Dämmung der Aussenwand zur generellen Reduzierung der Wärmeverluste bei Einsatz der Wandheizung.

 

Welche Vorteile stellen sich für Anwender dar, also Planer,Architekten und Handwerker?

RB: Planer und Verarbeiter profitieren von einer abgestimmten Systemlösung, die vorteilhafte Verarbeitungszeiten ermöglichen. Beide Berufsgruppen scheuen womöglich auch eine reine Innendämmung, die deutlich anspruchsvollere Planungs-und Ausführungsdetails erfordern. Für mich liegt die Besonderheit eben darin, dass mit einer integrierten Heizsystem über steuerbare Energiezufuhr Schwachpunkte in der Oberfläche kompensiert und minimiert werden können. Es besteht einfach die Möglichkeit, auf solche Punkte präventiv zu reagieren.

KQ: Aus der aktiven Zusammenarbeit von zwei Systempartnern, aus sehr unterschiedlichen Produktbereichen und Erfahrungen, wird dafür gemeinsam Sorge getragen, ein funktionsfähiges Produktsystem auf den Markt zu bringen. So wird der Planer, Architekt oder Handwerker nicht alleine gelassen bei der Bauplanung und Ausführung. Das Wissen aus zwei Welten fließt hier ein. So kann sich sowohl die planende Seite als auch die ausführende Seite auf dem Bau sicher sein, ein Produkt in der Hand zu haben, dass den heutigen Anforderungen, insbesondere in der Sanierung gerecht wird.

 

In welchen Gebäuden kommt die ÖkOpor-Wandheizung Ihrer Meinungnach bevorzugt zum Einsatz, und warum?

RB: Da das System eben sehr robust und träge wirkt, sehe ich Einsatzmöglichkeiten immer dort, wo einfache Innendämmungen ohne Wandheizung kritisch werden. Aufgrund der angenehmen Regulierung der Wohnraumtemperatur, sind aus bauphysikalischer Sicht insbesondere die Außenflächen für die Anordnung einer Wandheizung geeignet. Sind wir ehrlich: Gerade im Sanierungsbereich können die Vorteile punkten. Sehr häufig steht eine nachträgliche Fußbodenheizung nicht zur Diskussion, die Wandflächen sind sowieso aufwändiger zu bearbeiten, in der Regel ohne Probleme auch für eine Kombination aus Innendämmung/Flächenheizung geeignet. Da aber oftmals eine Reduzierung der Raumabmessungen zu minimieren ist, kommen nur vergleichsweise dünne Dämm-Ebenen zum tragen. Hier kann die Kombination aus mäßigem Energieeintrag und der Energiespeicherung in der Holzfaserdämmplatte helfen, das sanierte Bauteil zu optimieren. Wegen der niedrigen Arbeitstemperaturen kann man hier übrigens regenerative Energiequellen, wie Solarkollektoren verstärkt zum Einsatz bringen.

KQ: Moment! In einem Punkt muss ich die Aussage von Herrn Blum doch einschränken. Das Wort „Träge“ ist doch sehr relativ. Im Vergleich zu einem einfachen Plattenheizkörper erscheint das System auf dem ersten Blick vielleicht träge, da ein einfacher Plattenheizkörper einen sehr dünnen Stahlmantel hat und sich selbst sehr schnell erwärmt. In dem Moment, in dem warmes Wasser ein den Heizkörper einströmt, erwärmt sich das Stahlblech sofort spürbar an der Oberfläche. Demgegenüber ist die ÖKOpor-Wandheizung tatsächlich träger, da es zwischen fünf und zehn Minuten dauert, bis man die ersten Wärmestellen auf der Putzoberfläche spüren kann. Bis zur gänzlich vollflächigen Erwärmung der beheizten Wandsegmente vergehen nicht mehr als 15 Minuten und innerhalb von maximal 30 Minuten hat sich die endgültige Wärmeverteilung an der Oberfläche eingestellt. Das ist sicherlich träger als ein klassischer Plattenheizkörper, aber immer noch deutlich schneller, als jede konventionelle Fußbodenheizung.

 

Die Frage ist damit aber noch nicht beantwortet!

KQ: Dazu komme ich jetzt. Sicherlich wird der Schwerpunkt in der Sanierung liegen, ohne dass man hier jetzt bestimmte Gebäudetypen präferieren kann. Immer dann, wenn das Heizungssystem auf ein Flächenheizung-System umgestellt werden soll, um z.B. den Einsatz einer Wärmepumpe oder eines sonstigen Niedertemperatur-System zu ermöglichen und gleichzeitig dort, wo der Einsatz einer Fußbodenheizung aus technischen oder finanziellen Gründen ausscheidet. Nehmen wir doch mal an, wenn in einem Sanierungsobjekt der vorhandene Fußbodenbelag erhalten bleiben soll oder aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden muss, überall dort kann die ÖKOpor-Variante eine Lösung sein. Es geht ja nicht nur um die Beheizungsvariante, sondern gleichzeitig um den Mehrwert "dämmen". Und natürlich nicht nur als Gesamtvariante, auch gerade punktuelle Lösungen in kritischen Raumecken sehe ich hier als Einsatzbereich.

 

Sie haben einen Wunsch an Ihren Gesprächspartner frei. Welcher ist dies?

RB: Damit eine solche Lösung wirklich attraktiv im Markt ankommt, bedarf  es einer sehr kundenorientierten, projektbezogenen Serviceleistung.Die Firma GUTEX stellt qualitativ hochwertige Dämmstoffe aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz her und bedient daher einen Markt, der nicht unbedingt direkt mit zusätzlichen Installationsgewerken vertraut ist. Hier kann GUTEX sicherlich von der Objekterfahrung und dem Kerngeschäft von JOCO profitieren, um mit dieser Heizungslösung auch neue Vertriebspotentiale zu gewinnen. Daher ist es mein Wunsch, hier wirklich gemeinsam einen neuen Markt zu erschließen. Das kann sicherlich auch vorteilhaft über den etablierten GUTEX Vertriebskanal Holzfachhandel erfolgen. Unsere Partner sind schließlich der direkte regionale Ansprechpartner vor Ort für Verarbeiter und auch Planer. Wir von GUTEX liefert den guten Dämmstoff, JOCO macht dann noch etwas interessantes Neues daraus. Ich finde, das sollte den ökologisch bewussten Markt im Holzbau- und Sanierungsbereich interessieren!

KQ: Das wir weiterhin, wie bislang praktiziert, gemeinsam aktiv und vertrauensvoll daran arbeiten können unserer beiden Kundengruppen zufriedenzustellen. Aus unser täglichen Arbeit wissen wir, das es jeden Tag neue Herausforderungen auf dem Bau gibt, die es zu meistern gilt. Die kurzen Dienstwege eines mittelständischen Unternehmens sind ja geradezu prädestiniert hier Antworten zu geben und Lösungen zufinden. Alleine ist jeder von uns auf seine Bereiche und seinen Blickwinkel eingeschränkt, zusammen können wir ein deutliches Mehr an Know-how und Leistung bieten. Da fällt mir doch die alte Weisheit von Aristoteles ein, der damals schon erkannte: "Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile" In diesem Sinne wünsche ich mir eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit meinem Gesprächspartner.

 

Rainer Blum GUTEXKlaus Quast JOCO